Filmkritik: "Iron Man 2" (2010) mit Robert Downey Jr., Mickey Rourke, Gwyneth Paltrow und Don Cheadle; Regie: Jon Favreau
Rubrik: KritikenDer Eiserne kehrt zurück
Zum Filminhalt und Hintergrund:
Ein rachsüchtiger Russe namens Ivan Vanko (Mickey Rourke) will Tony Stark / Iron Man (Robert Downey Jr.) vernichten. Dieser hat inzwischen den Weltfrieden privatisiert, leidet aber unter den verheerenden Nebenwirkungen seines High-Tech-Schrittmachers und seines unreifen Charakters. Das Militär will die Iron-Man-Technologie – Starks Freund Lt. Col. James „Rhodey“ Rhodes (Don Cheadle) versucht zu vermitteln, verzweifelt aber an Starks Idiotie.
Ähnlich geht es Starks Privatsekretärin „Pepper“ (Gwyneth Paltrow), die Stark mal eben zur Konzernchefin macht (man, muss Geld und Macht toll sein). Der Waffenproduzent Hammer (Sam Rockwell) will die dicke Kohle machen und tut sich mit dem Ivan zusammen. Samuel L. Jackson, pardon, Nick Fury will mit seiner Regierungsorganisation Iron Man „bändigen“ und setzt die Geheimagentin Natasha „Schwarze Witwe“ Romanoff auf Stark an. Diese beherrscht übrigens sechs Millionen Kommunikationsformen, kann ganz dolle Karate, ist Juristin, Wirtschaftsprüferin oder so ein Mist, war Model in Asien und wird durch Scarlett „Lost in Translation“ Johansson verkörpert.
Alles gipfelt in einem Kuss mit vorhergehenden Explosionen.
Fazit:
Der Abend war schon lustig: Mit zwei Kumpels und gefühlten 10kg Zucker in Süßkram- und Cola-Form saßen wir allein im Kinosaal. Während wir uns dem Zuckerschock hingaben bekamen wir also eine Art Privatvorstellung.
Aber zum interessanten Teil:
Der Film hat in der Mitte seine Längen. Humorvolle Stellen sind einige vorhanden (sehr schön: Eine DJ-Einlage passend zur Prügelszene zwischen Tony Stark und seinem Kumpel vom Militär).
Logik darf man wieder nicht wirklich erwarten, aber es ist auch eine Comicverfilmung. Da werden mal so eben neue Elemente erschaffen, die Leute öffnen zu den dümmsten Zeitpunkten ihr Visier („Oh, ihr haut mich gleich um? Da zeige ich besser noch mal mein Gesicht!“), und wussten sie übrigens, dass Superschurken, welche bewaffnet über eine Rennstrecke in Monaco laufen und vor entsetztem Publikum Rennautos zerschrotten evtl. von Sicherheitskräften niedergeschossen werden könnten? Die Liste lässt sich lange fortsetzen. Aber lassen wir das. … Okay, okay, einen noch: Wenn ich gerade mein Leben durch Erschaffung eines neuen Elements im Keller gerettet habe und ganz, ganz schnell zur Expo muss, um einen Wahnsinnigen davon abzuhalten, alles zu Klump zu ballern, was mache ich dann? Natürlich ein neues, dreieckiges Sichtfenster in meine Superrüstung einbauen, damit auch jeder weiß, dass Design vor Plot geht. Hach, so schön....
Und Kenner der Filmwerbung fühlen sich womöglich betrogen: Eine Szene aus der Werbung (Stark muss seinem Helm hinterher springen, den seine Sekretärin aus dem Flugzeug wirft) kommt so im Film nicht vor.
Don Cheadle ersetzt ferner Terrence Howard aus dem ersten Teil in der Rolle des treuen Kumpels vom netten Militär, der dann doch untreu wird.
Am Ende gibt es ein ordentliches Feuerwerk, wo Schnellfeuerkanonen, Raketen, Kampfdrohnen und aller möglicher Mist ein Expo-Gelände und ganze Parkplätze mit Autos zerlegen. Die Akustik dabei war (Testosteron, juhu) durchaus überzeugend.
Für das Genre typisch wimmelt es nur so vor krassen und oberkrassen Leuten:
Micky Rourke hat mir in seiner Rolle gut gefallen. Das kann aber durchaus an der Rolle gelegen haben: Der Mann heißt Ivan! Hallo?! Ivan! Und als guter Russe kann er natürlich auch gut Prügeln, ist Superwissenschaftler und hat schlechte Zähne. Da kommt das gute alte Gefühl des Kalten Krieges ja glatt wieder auf. Wir waren begeistert – okay, der Zucker hat den Effekt vermutlich verstärkt. Auch die Sprüche waren einprägsam und belustigend (Ivan hackt man eben eine „Firewall“ [sicher, genau, Firewall nennt man also ein Passworteingabefenster] und beantwortet die Frage, wie er das gemacht hat [natürlich durch das filmübliche heftige Tippen]: „Software scheiße.“).
Robert Downey Jr. Macht seine Sache wieder gut, wobei mir seine Synchronstimme ab und an etwas seltsam vorkam – ist das die Gleiche gewesen?
Scarlett Johansson stellt die Superfrau Schwarze Witwe dar. Und ich muss sagen, es macht einen heiden Spaß, zuzusehen, wie sie sich durch eine Sicherheitsmannschaft prügelt, während der Chauffeur und Leibwächter Happy sich mit einem Türsteher abkämpft und Iron Man Milliardenbeträge um sich in die Luft jagt. Durchaus plausibel, dass es da einen Filmableger geben könnte.
Wo wir bei Ableger sind: Nach dem Abspann wird in einer Zusatzszene der Superheld (und Gott) Thor angekündigt. Das wirkte ziemlich … albern (ein Plastikhammer in der Erde, um mal einen Kommentar zu rezitieren). Da machte die Schwarze Witwe einen besseren Eindruck.
Ich habe jedenfalls nicht bereut, den Film im Kino geschaut zu haben. Danach ging es dann ziemlich überdreht (Zucker und Explosionen – eine tolle Kombo) aus dem Kino in die Nacht hinaus. Der Film ist gute Unterhaltung aber ohne Anspruch bei der Handlung.
(von Thorsten Schröder, Mai 2010)