Filmkritik: "Avatar – Aufbruch nach Pandora" (2009) mit Sam Worthington, Zoë Saldaña und Sigourney Weaver; Regie: James Cameron

Rubrik: Kritiken

Der Beginn einer neuen 3D-Film-Generation?

Zum Filminhalt und Hintergrund:

James Cameron ist wieder da. Der Regisseur bekannter Filme, wie Terminator 1 und 2, Aliens und Titanic, bietet uns (bei Produktionskosten von 237 Millionen Dollar laut Wikipedia) seinen neuen Sci-Fi-Film an – in 2D und eben auch in 3D.

Aber schauen wir uns kurz die Handlung an: Der durch eine Kriegsverletzung im Rollstuhl sitzende Marine Jake Skully (Sam Worthington) wird 2154 auf den fernen Mond Pandora geschickt. Dort soll er die Steuerung eines Avatars übernehmen, welcher der einheimischen intelligenten Lebensform Na´vi gleicht. Mit diesem Körper soll er die naturverbundenen Na´vi unterwandern.

Auf Pandora will der militärgestützte RDA-Konzern eine seltene Super-Ressource (Unobtanium) abbauen. Nur leider siedelt ein Na´vi-Stamm direkt über einem großen Vorkommen. Jake Skully soll daher heraus finden, wie diese zum Gehen zu Bewegen sind.

Zu Beginn einer Avatar-Expedition unter der Führung der Wissenschaftschefin Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) wird Jake von der Gruppe getrennt und scheint im gefährlichen Dschungel von Pandora verloren, bis ihn die Na´vi Neytiri (Zoë Saldaña) rettet.

Um die Na´vi besser manipulieren zu können, geht Jake mit dem Einverständnis der Na´vi bei Neytiri in die Lehre und lernt so die Welt von Pandora und die Lebensweise der Na´vi kennen.

Es dauert nicht lange, bis sich der Konflikt zwischen Einheimischen und den nach dem Unobtanium verlangenden Menschen zuspitzt – und Jake und Neytiri sich immer länger in die Augen schauen.

 

Fazit:

Den Film sollte man sich in 3D anschauen (zugegeben, in 2D habe ich ihn selber nicht gesehen). Vermutlich tut das eh die Mehrheit, da Kinokarten schwer zu bekommen waren. Anhand der Trailer für andere Filme scheint gerade eine ganze Welle von 3D-Filmen zu starten – was gefällt.

Gerade liegt meine Fernsehzeitung (TV14) mit der Kurzkritik zum Film vor mir. Die Zeitung nennt als Plus „Fantastische Effekte, packende Action“ und als Minus „komplizierte Story“. Jetzt weiß ich nicht, ob die schreibende Person einfach Humor oder Crack genommen hat: Aber die Geschichte ist nicht gerade auf Shakespeare-Niveau. Oder anders gesagt: Kommentare während und nach dem Film lobten die schönen Bilder und den Unterhaltungswert, aber IMMER wurde die doch recht simple Handlung bemerkt.

Aber okay, seien wir fair: Die Handlung ist komplizierter, als so manch anderer erfolgreicher Film, aber an dieser Stelle möchte ich mal auf folgende (englische) Analyse hinweisen: http://fun.drno.de/pics/english/poca2u.jpg (kurz: Avatar = Pocahontas in der Zukunft).

Die Na´vi wirken selber wie eine Mischung aus Indianern und Schlümpfen, ausgerüstet mit feschen Katzenaugen und Draenei-Schwänzen (eine Rasse aus dem Spiel World of Warcraft von Blizzard). Eine Bildinspiration dazu findet sich hier.

Gefühlte drei Meter hoch (auf Pandora ist vieles dank der niedrigen Gravitation GROß) und geschmeidig, bietet so ein Na´vi-Avatar-Körper am Ende der Hauptperson Jake die Basis für ein Dilemma: Weiter im Rollstuhl mit Gasmaske durch die für Menschen giftige Atmosphäre des Planten schlingern? Oder lieber doch von Baum zu Baum mit seiner neuen Na´vi-Süßen im Arm springen? … Schwer, oder?

Kommen wir aber nun zum Augenschmaus: Schöne, schöne Bilder. Alles ist bunt und lebendig auf Pandora. Vieles macht zwar keinen Sinn (z.B. die hohe Anzahl von jagenden Fleischfressern und fliegende Berge) und ist abgeguckt, aber das stört bei anderen Filmen ja auch nicht unbedingt.

Im SPIEGEL vom 11.1.10 gibt es einen kurzen Kommentar auf S. 100 zu Avatar. Demnach ist er bereits nach Titanic der „kommerziell zweiterfolgreichste Film aller Zeiten“. Laut Wikipedia steuert der Film momentan die 1,5 Milliarden US-Dollar-Einnahmen an. James Cameron dürfte vermutlich so etwas wie Budget-Probleme niemals nie wieder haben.

Dafür machen laut SPIEGEL rechte US-Intellektuelle Stress, welche dort Anti-Amerikanismus wittern. Aus der Perspektive könnte was dran sein, da US-Marines Weltraum-Indianer angreifen und man als Zuschauer doch moralisch auf Seiten der Ureinwohner geschoben wird. Für mich, zugeben, eher ein weiterer Grund, den Film zu mögen. Beachtenswert ist aber, dass Cameron die Film-Bösewichter nicht als klassisch böse darstellt. Der Obermilitär Colonel Quaritch (Stephen Lang) und der Oberkapitalist Selfridge (Giovanni Ribisi) geben den „guten“ Wissenschaftlern mit ihren Vermittlungsbemühungen durchaus Zeit, bevor sie sich zum harten Durchgreifen entscheiden. Dabei spielt die Sorge um das Image wohl mehr eine Rolle, als die Achtung vor den Na´vi, aber das Handeln ist nachvollziehbar. Außerdem soll der Rohstoff Unobtanium so wertvoll sein, dass die Begierde einleuchtet. Siedler haben halt auf Indianerboden „Gold“ gefunden. Dieses Handeln klassifiziere ich zwar im Gegensatz zu meinem Mitkinobesucher als „böse“ - aber eben mit einem nachvollziehbaren Grund. Hinge vom Unobtanium das Überleben der Menschheit ab – wie würde man selber handeln?


Wie auch immer: Die Bilder sind schön, die 3D-Effekte eine willkommene Abwechslung. Und, hey, rechte US-Intellektuelle und Militärfreunde mögen den Film nicht. Ansehen.

 

(von Thorsten Schröder, Januar 2010)