Filmkritik: "Watchmen - Die Wächter" (2009) mit Billy Crudup, Carla Gugino, Jeffrey Dean Morgan, Jackie Earle Haley, Matthew Goode und Patrick Wilson; Regie: Zack Snyder
Rubrik: KritikenFilminhalt und Hintergrund: Der Film basiert auf dem sechsteiligen Comic "Watchmen" von Alan Moore und Dave Gibbons aus den Jahren 1986 und 87. Regisseur Zack Snyder ("Dawn of the Dead") hat sich beäugt von einer kritischen Comic-Fangemeinde an die filmische Umsetzung gewagt, nachdem er mit der Verfilmung des bluttriefenden Comics „300“ einen beachtlichen Erfolg verbuchen konnte.
Die Handlung spielt in einer alternativen Realität in den 80er Jahren. Nixon ist noch immer Präsident, der Vietnamkrieg wurde gewonnen, die Friedensbewegung niedergeschossen und der kalte Krieg droht zu eskalieren. Die Zeit der Superhelden ist vorbei. Nach den maskierten Helden der 1. Generation der 30er bis 50er traten damals bald neue Helden in Erscheinung. Waren die ersten Maskenträger noch normale Menschen in Kostümen, so war bei der 2. Generation technisches Spielzeug zunehmend in Gebrauch, und einige hatten tatsächlich übermenschliche Fähigkeiten. Allerdings war ihr Ruhm von kurzer Dauer, als sie per Gesetz in den 70ern gezwungen wurden, in den Ruhestand zu gehen oder für die Regierung zu arbeiten, da ihre Selbstjustiz zunehmend in die Kritik geriet.
Der mit phantastischen Kräften ausgestattete Dr. Manhatten / Dr. Jon Osterman (Billy Crudup) - "Gott ist Amerikaner!" - und der geniale Multi-Milliardär und sich selbst offenbarte ehemalige Superheld Veidt (Matthew Goode) arbeiten gemeinsam an einem Projekt zur unbegrenzten Energiegewinnung, um die atomare Auseinandersetzung zwischen den USA und der Sowjetunion abzuwenden. Der Kampf um Ressourcen soll so überflüssig werden. Während Veidt in einer Mischung von Verehrung für Alexander dem Großen und den Pharaonen und Selbstüberhöhung die Rettung der Menschheit verfolgt, interessiert Dr. Manhatten mehr die Physik und der Kosmos. Einzig seine Lebensgefährtin Silk Spectre / Laurel Jane Juspeczyk (Carla Gugino) bindet ihn noch an die Erde. Night Owl / Daniel Dreiberg (Patrick Wilson) hat den Superheldenjob an den Nagel gehängt. Entsprach er früher einer gemäßigten Version von Batman, so ist er nun ein stiller Brillenträger Mitte Dreißig, der sich einmal die Woche mit seinem Vorgänger der 1. Heldengeneration trifft, um alte Geschichten aufzuwärmen. Rorschach / Walter Kovacs (Jackie Earle Haley) hat sich dem Anti-Heldengesetz widersetzt und kämpft im Untergrund weiter gegen das Verbrechen. Ungewaschen und getrieben von schrecklichen Erinnerungen versteckt er sein Gesicht unter einer Maske, welche ständig neue Rorschachtest-Muster abbildet. Der Comedian / Edward Blake (Jeffrey Dean Morgan) stammt noch aus der 1. Heldengeneration. Skrupellos hat er im Vietnamkrieg und sonst wo als Scherge der Regierung getötet.
Und zu Beginn des Films wird nun genau dieser Comedian ermordet. Rorschach sucht nach dem Mörder und dem Motiv und vermutet eine Jagd auf ehemalige Superhelden. Seine Suche führt ihn zu den anderen ehemaligen Superhelden, welche unterschiedlich auf seine Warnungen reagieren. Da geschieht ein zweiter Anschlag...
Fazit:
Die Welt der Watchmen ist dreckig, kalt und brutal. Ständig ist schlechtes Wetter und schlechte Laune. Oftmals wurde der Gewaltgrad des Films kritisiert, und der ist in der Tat hoch. Es gibt zwar nicht andauernd wilde Kämpfe, aber wenn gekämpft wird, dann spritzt das Blut und die Knochen knacken. Die Superhelden haben kaum bis nichts heldenhaftes an sich und sind gescheiterte, resignierte und / oder moralisch höchst fragwürdige Personen.
Dr. Manhatten hat kaum noch die Muße, sich mit der Menschheit zu befassen.
Der Comedian ist ein rücksichtsloser Zyniker und Mörder, der einfach seinen Spaß haben will, da die ganze Welt eh früher oder später explodiert. Mit seinen Bemerkungen und Handlungen trifft er aber immer wieder die wunden Punkte seiner "Mitstreiter", denn dumm ist er nicht. Am Rande: Den Darsteller Jeffrey Dean Morgan (der seine Arbeit gut macht) verwechselte ich anfangs mit Robert Downey Junior, bekannt als Superheldendarsteller vom „Iron Man“, was im Nachhinein fast schade ist, da es die Stimmung noch vertieft hätte.
Rorschach ist ebenso intelligent, allerdings kämpft er nicht für sich, sondern für die Menschen, geleitet von seinem kompromisslosen Gerechtigkeitsverständnis. Dabei nutzt er Folter - begleitet von seinen düsteren Tagebuchkommentaren und seinem noch finsteren „Humor“, der Lacher provoziert. Fast möchte man ihn mit einem Lappen vergleichen, der im Erbrochenen der Menscheit so lange herumwischte, bis er selber stank.
Ozymandias / Veidt bemüht sich um den Fortschritt, um die Menschheit zu retten, ist in seiner Art aber überheblich und ein kühler Intellektueller und Milliardär.
Silk Spectre tötet, setzt ein Übermaß an Gewalt ein, wenn sie als Grund Notwehr vorschieben kann. Privat hat sie mit der Entmenschlichung ihres Gefährten Dr. Manhatten und dem Alkoholismus ihrer Mutter zu kämpfen.
Night Owl kann sich sexuell erst nach einer Heldenaktion und im Kostüm entfalten. Während sein Bauchumfang steigt, schrumpft die Zahl seiner Kopfhaare.
Laut meines Comickenners ist der Film ziemlich originalgetreu – bis auf das Ende, was aber noch sinngetreu ist.
Kurz: Der Film ist äußerste Geschmackssache. Wer Popcornkino von der Sorte Spiderman oder X-Men erwartet, der wird enttäuscht. Wenn man sich allerdings vorher etwas in die Hintergründe einliest und eine düstere Geschichte aus einer Was-Wäre-Wenn-Welt auf sich wirken lässt, dann erlebt man mit Watchmen einen guten Film. Ich mag ihn (und Wikipedia ist dein Freund).
(von Thorsten Schröder, März 2009)